Einheit
Mensch und Pferd

kentaur pferdetraining konzept

Konzept

Eine gemeinsame Sprache

Kentaur-Pferdetraining bildet den Menschen so aus, dass er die Grundlagen und Feinheiten der Kommunikation mit dem Pferd in der Sprache des Pferdes – der energetisch bestimmten Körpersprache – erlernt. Diese spezifische Sprache des Körpers ist eine Sprache im Raum, in der die Energie unserer Absichten und ihres Ausdrucks nicht zuletzt von unserer Haltung, von unserer Atmung und der Positionen zum Pferd bestimmt werden und von diesem unmittelbar verstanden werden.

Vom Leittier zum Partner

Der Mensch eignet sich dabei auch und gerade wichtige Eigenschaften eines Führenden (leader) an, worin ich einen diametralen Gegensatz zu einem „Boss“ sehe, der dem Pferd Vorschriften macht, ohne sich selbst zu engagieren. Um sich den Respekt und das Vertrauen seines Pferdes zu verdienen, können wir es in seinem Tun nicht alleine lassen, vielmehr stoßen wir dieses Handeln an und vollziehen es auf unsere menschliche Weise innerlich und körperlich mit. Allein schon durch diese Fähigkeit, dem Pferd in seiner Welt zu begegnen, sich dem Pferd in dessen eigener Sprache mitzuteilen – es zu verstehen und sich mit ihm artgerecht zu verständigen –, wird der Grundstein für eine Beziehung gelegt, in der sich das Pferd der Führung des Menschen anvertraut, und zugleich an Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit gewinnt, so dass auf diesem Wege Mensch und Pferd schließlich als Partner eine geglückte Beziehung erleben können.

Körper und Geist

Für unseren Dialog mit dem Pferd ist auf körperlicher Ebene nicht etwa das Erlernen bestimmter Gesten notwendig, sondern grundlegender und wesentlich die Entwicklung bestimmter Eigenschaften: Gefühl für Timing und Energie, für Positionen, Entfernungen und Balance. Körperliche Kon­trolliertheit (von der Haltung bis hin zur Atmung), Gelassenheit, Versammlung, Konzentration, Klarheit und Beständigkeit des Ausdrucks bewirken eine unendliche Verfeinerung der eingesetzten Sprache, so dass es möglich wird, dass das beabsichtigte Verhalten als natürliche und eigene Reaktion, bzw. Antwort des Pferdes erfolgt. Es beinhaltet auch die innere Klarheit, darüber was ich will, und dass ich dieses Gewollte auch vermitteln und initiieren kann.

Authentizität

Das vertrauensvolle Pferd-Mensch-Verhältnis erwächst letztlich entscheidend einer geistigen Ebene, dem Verstehen der Denk- und emotionalen Wahrnehmungsweise des Pferdes (als Art wie auch als Individuum) und der damit verbundenen mentalen Verständigung, bei der der Mensch seine Vorschläge in emotionalen Bildern körperlich vermittelt. Diese inneren Bilder oder visuellen Vorstellungen allererst machen unsere Vorschläge für das Pferd klar und verbindlich und leiten auch unbewusst unseren Körperausdruck in feinsten Nuancen, die für das Pferd nicht nur wahrnehmbar sind, sondern dessen Glaubhaftigkeit und Authentizität ausmachen. Diese Fähigkeit, das Pferd in seiner eigenen Sprache letztlich aus mentalen Vor-stellungsbildern zu führen, macht die Besonderheit meines Trainings aus.

Verständigung

Das Ziel ist nicht, das Pferd dazu zu bringen, etwas zu tun, sondern ihm zu helfen, es selbst und gern tun zu wollen. Das bedeutet, dass wir uns nicht einfach an den Körper des Pferdes wenden und diesen bewegen, vielmehr heißt Verständigung, dass sich unsere Gedanken, vermittelt durch unseren Körper, an den Verstand des Pferdes richten. Unser Partner muss uns verstehen können, um willig, freudig und selbständig von sich aus zu handeln. Damit dies gelingen kann, gilt es, den zartesten Versuch des Pferdes, ja schon seinen Gedanke in die richtige Richtung zu erkennen und zu beantworten.

Konzentration und Empfindsamkeit

Das erfordert – was unsere innere Haltung angeht – ein hohes Maß an Konzentration, Achtsamkeit, Bewusstheit und Klarheit, um das Pferd im inneren Fokus zu behalten, um es – nicht erst in seinem Verhalten –, sondern bereits in seinen Empfindungen und Absichten wahrnehmen zu können. Die Verfeinerung und Perfektionierung unserer inneren Haltung in der Arbeit, das Training von Wille, Konzentration und Visualisierung, dient nicht nur der Etablierung der Kommunikation, sondern grundlegender noch dem Aufbau von Respekt und Vertrauen. Denn allein unsere Fähigkeit, uns nach menschlichen Maßstäben zu versammeln, unsere Bereitschaft, authentisch im Umgang mit dem Pferd zu sein, ermöglicht Kongruenz, d. h. die Übereinstimmung von Gefühlsleben und Ausdruck. Diese Wahrhaftigkeit und emotionale Echtheit ist für Pferde entscheidend. Sie sind immer auch ein Spiegel unseres Verhaltens und unserer zumeist verborgenen Empfindungs­weisen. Sie durchschauen die leisesten Inkongruenzen in Gefühl und Absicht, da sie ein wunderbares Geschick entwickelt haben, sich auf subtile Veränderungen im Erregungszustand anderer Pferde, aber auch der Raubtiere einzustellen, ein Talent ihrer Rasse, das sie auch auf die Wechselbeziehungen mit Menschen übertragen. Durch zahllose Erfahrungen weiß ein Pferd, dass jeder Zweibeiner, der die Gesten eines Gefühls zeigt, um damit ein anderes zu verbergen, entweder nichts Gutes im Sinn hat oder so verblendet ist, dass er für sich selbst und andere eine Gefahr darstellt.

Geistige und emotionale Kompetenz

Respektieren wird das Pferd nur einen Menschen, dessen Körpersprache zum Ausdruck bringt, was er auch tatsächlich meint. Vertrauen kann es nur demjenigen, der authentisch und zugleich geistig kompetent ist. Somit bilden Pferde tatsächlich eine Art wertfreies Barometer des Grads der per­sönlichen Entwicklung eines Menschen.

Diese nicht nur körperliche, sondern letztlich vor allem geistige und emotionale Kompetenz ist eine zumeist unausgesprochene und dennoch ent­scheidende Begleiterscheinung der Arbeit an der Verständigung mit Pferden.

Der Mensch als Partner des Pferdes

Mir ist es wichtig, Pferden so zu begegnen, dass sie den Menschen als Partner entdecken, der sich mit ihnen in einer gemeinsamen Sprache verständigt, der respektvoll die Verantwortung für gemeinsame Unternehmungen übernimmt und gleichzeitig die ganz individuelle Mitarbeit des Pferdes willkommen heißt. Indem der Mensch dem Pferd in seinen Vorschlägen verständlich wird, kann es artgerecht ausgebildet oder in seinem aus bisherigen Erfahrungen entspringenden Handeln korrigiert werden. Das Training umfasst die grundlegende Verständigung vom Boden aus mit dem freilaufenden Pferd und am Seil. Es wendet diese Prinzipien der Verständigung (den gemeinsam etablierten Wortschatz gewisser­maßen) auf das Reiten an. Ziel ist ein gesundes, sicheres und partnerschaftliches Reiten zusammen mit einem Pferd, das körperlich und mental dafür bereit ist. Entscheidend dafür ist eine sinnvolle Gymnastizierung und ein unabhängiger Sitz, der das Pferd in seinem Bewegungsablauf nicht stört und den Reiter in jeder Situation auf dem Pferd ausbalanciert. Dafür kann das Reiten ohne Sattel eine wichtige Übergangsphase sein.

Einheit von Mensch und Pferd

Ziel meiner Arbeit ist eine authentische, vertiefte und vertrauensvolle Beziehung zum Pferd, die auf gegenseitigem Verstehen und der klugen Führung des Menschen beruht. Über die Verständigung vom Boden aus wird die Grundlage für ein harmonisches Reiten gelegt, bei dem das Pferd auf feinste Vorschläge reagiert und damit eine Einheit mit seinem Reiter bildet, wie ein eigenständiges neues Wesen, einem „Kentaur“.